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Hauptgutachten der Monopolkommission als Printausgaben übereinander gestapelt

Berlin/Bonn, 9. Juli 2026 - Die Monopolkommission empfiehlt der Bundesregierung, die Wirtschaftspolitik stärker am Wettbewerb auszurichten.

Die Probleme der deutschen Industrie lassen sich nicht mit immer neuen Einzelmaßnahmen lösen. Viele staatliche Eingriffe sind teuer und oft wirkungslos. Stattdessen braucht es harten Wettbewerb und Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen.

Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission

Wettbewerb sollte dabei der Kompass für die Wirtschaftspolitik sein – etwa in der Energiepolitik, bei der Förderung von Künstlicher Intelligenz sowie bei anderen Standortfaktoren. Die Monopolkommission hat heute ihr 26. Hauptgutachten „Wettbewerb 2026: Für eine wettbewerbsorientierte Wirtschaftspolitik“ an das Bundeswirtschaftsministerium übergeben. 

Standort Deutschland verliert Wertschöpfung: Industriepolitik muss breiter ansetzen

Deutschlands größte Industrieunternehmen wachsen, aber immer seltener in Deutschland. Besonders betroffen ist das verarbeitende Gewerbe. Dort sank der Analyse der Monopolkommission zufolge der Inlandsanteil der Wertschöpfung der 100 größten Unternehmen von 57 Prozent im Jahr 2008 auf 40 Prozent im Jahr 2024.

Dass große Industrieunternehmen ihre Wertschöpfung vermehrt im Ausland erzeugen und die Produktivität in Deutschland sinkt, ist ein Warnsignal. Deutschland muss als Standort wieder attraktiver werden.

Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission

Der Rückgang der Produktivität ist nicht in allen Branchen gleich. Hightech-Unternehmen stehen wesentlich besser da als traditionelle Branchen. Wirtschaftspolitik sollte nach Auffassung der Monopolkommission daher unbedingt Innovationen und neue Technologien fördern, statt auf überkommene Branchen zu setzen.

Die Monopolkommission empfiehlt Maßnahmen, die in der Breite wirken, z.B. den Abbau staatlich verursachter Energiekosten, die Förderung von Grundlagenforschung und eine deutliche Entbürokratisierung. Subventionen für einzelne Branchen oder Unternehmen verzerren hingegen den Wettbewerb. Sie sollten nur dort eingesetzt werden, wo notwendige Investitionen sonst ausbleiben oder die Transformation der Wirtschaft nicht gelingt.

Strompreise: Breite Entlastung statt Labyrinth der Sonderregeln  

Deutschland hat über Jahre ein Labyrinth branchenspezifischer Stromhilfen aufgebaut: Strompreiskompensation, Industriestrompreissubventionen, Stromsteuersenkungen, Zuschüsse zu Netzentgelten – jede Maßnahme mit eigenen Kriterien, Antragspflichten und Schwellenwerten. Das Ergebnis ist ein System, das kaum noch zu überblicken ist und vor allem große Verbraucher begünstigt, während kleinere Unternehmen oft leer ausgehen.

Die Monopolkommission empfiehlt deshalb einen anderen Kurs. Breite Entlastungen sollten Vorrang haben, etwa durch die Senkung staatlich geprägter Strompreisbestandteile. Hilfen für einzelne Branchen sollten auf eng begründete Ausnahmefälle beschränkt bleiben. Zwar variiert die Bedeutung der Stromkosten zwischen den Branchen deutlich: Im Durchschnitt liegt ihr Anteil an den Vorleistungen bei 2,29 Prozent, in wenigen energieintensiven Branchen aber bei mehr als 15 Prozent. Gerade branchenspezifische Hilfen schaffen jedoch Abgrenzungsprobleme, mehr Bürokratie und Wettbewerbsverzerrungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Eine Simulation der Monopolkommission zeigt zudem: 

Subventionen für einzelne Branchen wirken für die Gesamtwirtschaft nicht besser als eine allgemeine Entlastung.

Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission

Schon seit Längerem plädiert die Monopolkommission für eine strukturelle Reform des Strommarktes, insbesondere der Netzentgelte.

KI-Transformation: Wettbewerb öffnen, Regulierung entschlacken, Tempo beschleunigen

Auch bei der Anwendung von KI in der Industrie sieht die Monopolkommission noch deutliche Defizite. Die KI-Adoption kommt nicht mit der notwendigen Schnelligkeit und Breite voran. Die Gründe für dieses Transformationsversagen sind vielfältig – von Trägheit in den Unternehmen über Rechtsunsicherheiten bis zu einem Regulierungsrahmen, der der alle Unternehmen, insbesondere aber kleinere und Start-ups, belastet. Dabei verfügt die deutsche Industrie über großes Potenzial für eine eigenständige KI-Nutzung. „Das Spezialwissen in den Unternehmen und der Datenschatz bieten riesige Möglichkeiten für industrielle KI-Anwendungen“, so Duso. Problematisch ist jedoch, dass im KI-Sektor nach wie vor große Abhängigkeiten von wenigen US-Unternehmen bestehen.

Ob Unternehmen innovativ sind und zukunftsorientiert investieren, ist nicht in erster Linie Sache des Staates, sondern liegt letztlich in der Entscheidung der Unternehmen. Wirtschaftspolitik kann jedoch die Bedingungen verbessern, unter denen Unternehmen Entscheidungen treffen.

Tomaso Duso, Vorsitzender der Monopolkommission

Die Monopolkommission empfiehlt daher erstens eine konsequente Durchsetzung des Wettbewerbsrechts und des europäischen Digital Markets Act. Zweitens sollte die Regulierung von KI verschlankt und Doppelregulierung vermieden werden. Drittens sollte der Staat seine Einkaufsmacht besser strategisch nutzen. Durch gezielte Nachfrage können leistungsfähige europäische Lösungen gestärkt werden.

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